Besser als ihr Ruf: So gut schneidet die Bahn im Vergleich zum Flugzeug ab

Berlin, 4. November 2019. Die Mehrwertsteuer auf Bahntickets soll von 19 Prozent auf sieben Prozent sinken, die Luftverkehrssteuer für Inlandsflüge zeitgleich um 76 Prozent steigen. Eine klarere Botschaft kann für Reisende kaum von den Gesetzen ausgehen, die die Bundesregierung als Teil ihres Klimapakets noch dieses Quartal verabschieden möchte: Reisende sollen vom Flugzeug auf den deutlich klima- und umweltfreundlicheren Zug umsteigen. Dabei gibt es schon jetzt gute Gründe, Bahn zu fahren: Wer im November oder Dezember mit der Bahn reist, spart innerdeutsch 38,3 Prozent gegenüber dem Flugzeug. Bietet die Bahn Sparpreise an, steigt der Preisvorteil sogar auf 64,6 Prozent. Dies zeigt eine Stichprobe des Verbraucherforums mydealz.de, das 760 innerdeutsche Verbindungen analysiert hat. Ihr zufolge dauert die Reise mit dem Zug dabei im Schnitt nur vierzig Minuten länger als mit dem Flugzeug.

 

Wer in Hamburg lebt und vom 5. bis zum 7. November beruflich in München zu tun hat oder am Nikolauswochenende (6. bis 8. Dezember) zum Sightseeing in die bayrische Landeshauptstadt reisen möchte, hat drei Möglichkeit, von A nach B zu kommen: Er kann selber fahren, fliegen oder den Zug nutzen. Zeitlich ist das Flugzeug unschlagbar: Eurowings und Lufthansa fliegen München von Hamburg aus direkt an. Dauer: Achtzig Minuten. Mit dem Auto sind Reisende gut sieben Stunden, mit der Bahn etwas mehr als sechs Stunden unterwegs. 

 

Preislich kann die Bahn aber durchaus mithalten, wie die von mydealz vorgenommene Stichprobe zeigt. An Nikolaus ist der Zug (Spartarif: 199,85 Euro) nur etwas teurer als das Flugzeug (170 Euro ohne, 190 Euro mit Gepäck), einen Monat zuvor hingegen deutlich preiswerter. 137,80 Euro kosten Hin- und Rückfahrt am 5. und 7. November bei der Bahn. Mehr als das Doppelte müssten Reisende indes im günstigsten Fall fürs Fliegen ausgeben: 305 Euro berechnet die Lufthansa für Hin- und Rückflug und zwanzig Euro zusätzlich fürs Gepäck.

 

Preislich schlägt die Bahn das Flugzeug in acht von zehn Fällen 

 

Dass die Strecke Hamburg-München kein Sonderfall ist, sondern die Regel, macht ein Blick auf die übrigen Verbindungen deutlich, deren Preise das Verbraucherforum mydealz für die Zeit vom 5. bis zum 7. November und vom 6. bis zum 8. Dezember analysiert hat. Für jeweils 380 Verbindungen zwischen den Städten mit den – nach Passagierzahlen – zwanzig größten Flughäfen hat mydealz ermittelt, welches Verkehrsmittel günstiger ist: Zug oder Flugzeug. 

 

Das Ergebnis überrascht: Nicht das Flugzeug, sondern die Bahn erwies sich bei der Stichprobe in den meisten Fälle als das preiswerteste Verkehrsmittel. Dank der guten Verfügbarkeit der Sparpreise war die Deutsche Bahn auf 431 der 512 vergleichbaren Verbindungen (84,2 Prozent) preiswerter als das Flugzeug. Im Schnitt kosteten Tickets für die Bahn nur 115,85 Euro (Sparpreis) beziehungsweise 202,02 Euro (Flexpreis). Für Flüge hätten Reisende 327,29 Euro ohne und 351,43 Euro mit Gepäck ausgeben müssen. Der Preisvorteil der Sparpreis-Bahntickets betrug somit 42,7 Prozent gegenüber dem Bahnticket ohne Zugbindung und 64,6 Prozent beziehungsweise 67,0 Prozent gegenüber dem Flugzeug.

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Je näher das Reisedatum liegt, desto günstiger sind Bahnfahrten

 

Nicht in allen Fällen fiel die Stichprobe allerdings so deutlich aus. Tatsächlich schwand der Preisvorteil der Bahn je weiter der Reisezeitpunkt in der Zukunft lag. mydealz hat vom 20. bis zum 25. Oktober die Preise für zwei Zeiträume verglichen, die zwei beziehungsweise sechs Wochen in der Zukunft lagen. Bei Reisen in der Zeit vom 5. bis zum 7. November war die Bahn deutlich preiswerter als das Flugzeug: Bahntickets kosteten im Flextarif ohne Zugbindung 193,87 Euro und im Spartarif mit Zugbindung 101,99 Euro. Flugtickets kosteten 375,26 Euro ohne Gepäck und 276,03 Euro mit Gepäck. Auch bei Reisen in der Zeit vom 6. bis zum 8. Dezember erwies sich die Bahn als günstigstes Verkehrsmittel. Für Flüge hätten Reisende hier 276,03 Euro beziehungsweise 299,35 Euro bezahlen müssen.  Die Bahn berechnete ohne Zugbindung 210,77 Euro, im Sparpreis-Tarif allerdings nur 130,72 Euro und war damit 52,6 Prozent beziehungsweise 56,3 Prozent günstiger als das Flugzeug.

 

Wie sehr sich die Preise angleichen, wenn Reisende Tickets für Zug oder Flug weiter im Voraus buchen, macht auch ein Blick auf die Verteilung der Bestpreise deutlich. Für Reisen im Zeitraum vom 5. bis zum 7. November war der Zug noch auf 251 von 265 Strecken (94,7 Prozent), für Reisen im Zeitraum vom 6. bis zum 8. Dezember hingegen „nur“ noch auf 175 von 247 Strecken (72,9 Prozent) das günstigste Verkehrsmittel. Flüge hingegen erwiesen sich für Reisen in der Zeit vom 5. bis zum 7. November nur auf 14 Strecken (5,3 Prozent), für Reisen am Nikolauswochenende aber bereits auf 67 Strecken (27,1 Prozent) als günstigste Option.

 

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Fliegen zahlt sich ab Strecken von 250 Kilometern aus

 

Ein Blick auf die Strecken, auf denen sich Flüge preislich rechnen, offenbart die Stärken der einzelnen Verkehrsmittel. Zugfahren ist auf kürzeren Distanzen meistens günstiger, Fliegen lohnt sich hingegen zunehmend ab Distanzen von wenigstens 250 Kilometern Luftlinie.

 

Der durchschnittliche Preisvorteil von Bahnfahrkarten gegenüber Flügen ist mit 79,3 Prozent auf Strecken von bis zu 250 Kilometern besonders groß. Auf 251 bis 500 Kilometer langen Strecken beträgt er 59,2 Prozent und bei Reisen zu 501 bis 750 Kilometer entfernten Städten 52,3 Prozent, um bei noch längeren Reisen schließlich auf 50,8 Prozent zu sinken. 

 

Analog hierzu nehmen Verbindungen zu, auf denen Flugzeuge, laut Stichprobe, das günstigste Verkehrsmittel sind. Während sich Fliegen bei Zielen, die zwischen 250 und 500 Kilometer entfernt sind, nur bei jeder siebten Reise (17,0 Prozent) rechnet, zahlt sich Fliegen bei jeder vierten Reise (25,8 Prozent) zu Zielen, die mehr als 500 Kilometer entfernt sind, aus. Bei Reisen zu Zielen, die weniger als 250 Kilometer entfernt sind, ist der Zug hingegen in neun von zehn Fällen (93,4 Prozent) das günstigste Verkehrsmittel.

 

Der Grund ist simpel: Ziele, die im näheren Umkreis liegen, werden oft nicht direkt angeflogen. Wer im November von Berlin nach Dresden fliegen möchte, muss beispielsweise in München umsteigen. Für den drei Stunden und 44 Minuten langen Flug berechnet Lufthansa ohne Gepäck hin und zurück insgesamt 344 Euro. Im Eurocity der Bahn verkehren Reisende zwischen Dresden und Berlin hingegen zum Sparpreis von 39,80 Euro (regulär: 86 Euro). Die Fahrt dauert nur zwei Stunden und acht Minuten. 

 

Anders gestaltet sich die Situation für Reisende aus Stuttgart, die das Nikolauswochenende in Hamburg verbringen möchten. Eurowings bietet Hin- und Rückflug zwischen Hamburg und Stuttgart für 170 Euro an. Der Flug ist ohne Zwischenstopp und dauert nur 75 Minuten. Mit der Bahn können Reisende zwar auch direkt von Stuttgart nach Hamburg und retour fahren, zahlen hierfür aber im Sparpreis-Tarif 219,80 Euro (regulär: 325 Euro) und sind fünfeinhalb Stunden unterwegs.

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Wer Zug fährt, ist im Schnitt nur vierzig Minuten länger unterwegs

 

Die Strecke Hamburg-Stuttgart steht damit beispielhaft für ein Argument, mit dem viele Reisende erklären, wieso sie statt der Bahn das Flugzeug nutzen: Zugfahren gilt nicht nur als teurer, sondern auch als zeitraubender als Fliegen. 

 

Das Verbraucherforum mydealz ist auch diesem Vorurteil bei der Analyse seiner Stichprobe nachgegangen – und konnte es nur bedingt bestätigen. Mit dem Flugzeug wären Reisende auf 332 von 512 Verbindungen (64,8 Prozent), mit dem Zug immerhin auf 177 von 512 Verbindungen (35,2 Prozent) schneller ans Ziel gekommen. In drei Fällen waren Zug und Flugzeug gleich schnell. Für die insgesamt 512 Verbindungen wären Reisende mit dem Flugzeug dabei durchschnittlich vier Stunden und fünf Minuten, mit dem Zug aber auch nur vierzig Minuten länger unterwegs gewesen. Die An- und Abfahrt zum Flughafen beziehungsweise Bahnhof und die Zeit für Check-In und Sicherheitskontrollen nicht inbegriffen. Auch die Zahl der Umstiege hielt sich in Grenzen. Das Flugzeug hätten Reisende pro Strecke im Schnitt 0,66 Mal, den Zug 0,94 Mal wechseln müssen.

Auf der Detailebene schnitt das Bahnfahren allerdings nicht ganz so gut ab. Bei gut jeder dritten Zugfahrt (184/512 Reisen, 35,9 Prozent) wären Reisende mehr als drei Stunden und bei jeder siebten Fahrt (72/512 Reisen, 14,1 Prozent) sogar mehr als fünf Stunden länger unterwegs gewesen als mit dem Flieger. Dahingegen dauerte nur jede sechste Flugreise (87/512 Reisen, 17,0 Prozent) mehr als drei Stunden und nur jede zehnte Flugreise (55/512 Reisen, 10,7 Prozent) mehr als fünf Stunden länger als die entsprechende Bahnfahrt.

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Auch, was die durchschnittliche Zahl der Umstiege beziehungsweise Zwischenstopps anging, war die Bahn leicht im Nachteil. Direkt und ohne Umstieg hätten Reisende nur 154 Ziele (32,0 Prozent) mit der Bahn, aber 186 Ziele (36,3 Prozent) mit dem Flugzeug erreichen können. Bei jeder fünften Zugfahrt (19,7 Prozent) hätten Reisende zwei Mal und bei jeder zehnten Fahrt (9,8 Prozent) sogar mehr als drei Mal umsteigen müssen während nur bei jeder zwanzigste Flugreise (4,7 Prozent) mehr als ein Zwischenstopp nötig gewesen wären. 

 

Auf wirklich extreme Unterschiede von zehn und mehr Stunden Extrazeit stießen die Tester von mydealz allerdings nur bei Flugreisen. Wer am Nikolauswochenende von Memmingen nach Karlsruhe reisen möchte, benötigt mit dem Zug beispielsweise nur 3 Stunden und 21 Minuten, mit dem Flugzeug aber satte 23 Stunden und 32 Minuten. Wer Bahn fährt, muss zwar in Ulm und in Stuttgart umsteigen, und damit einmal mehr zwischenstoppen als Flugreisende. Der günstigste Flug (Wizz Air: 125 Euro) führt dafür aber hin über Sibiu (Rumänien) und zurück über Skopje (Nordmazedonien). 

 

Ähnlich „exotische“ Zwischenstopps legen auch Reisende hin, die beispielsweise von Hannover nach Münster, von Köln nach Dortmund, von Frankfurt nach Memmingen oder von Karlsruhe nach Hamburg fliegen möchten. Mal sind die Flughäfen zu schlecht angebunden, mal liegen die Ziele einfach zu nahe beieinander, sodass Reisende mit dem Flugzeug mehr als zehn Stunden länger unterwegs sind als mit der Bahn. Auf die Idee, das Flugzeug auf diesen Strecken der Bahn vorzuziehen, kommen so aber vermutlich ohnehin nur Meilensammler oder hartgesottene Flugfans.

 

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Datenblatt

Ein Datenblatt mit Rohdaten zur Analyse findet sich hier: https://mdz.me/zugvsflug

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Hinweis zur Methodik

 

Die obenstehenden Resultate sind das Ergebnis einer Analyse, die das Verbraucherforum mydealz im Zeitraum vom 21. bis zum 25. Oktober 2019 angestrengt hat. Für 380 verschiedene innerdeutsche Strecken zwischen den zwanzig Orten mit den nach Passagierzahlen größten deutschen Flughafen hat mydealz die Preise sowie die Reisedauer und Anzahl der Zwischenstopps/Umstiege fürs Bahnfahren und Fliegen mithilfe des Flugpreisvergleichsportals Skyscanner und der Internetseite der Deutschen Bahn ermittelt und verglichen. Differenziert wurde hierbei zwischen den Flexpreisen und Sparpreisen der Deutschen Bahn sowie zwischen Flugpreisen mit und ohne Gepäck. Ermittelt wurden die Daten mit zwei Wochen Vorlauf für die Zeit vom 5. November (Hinfahrt/-flug) und 7. November (Rückfahrt/-flug) sowie mit sechs Wochen Vorlauf die Zeit vom 6. Dezember und 8. Dezember. 

 

 

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Über mydealz

 

mydealz (www.mydealz.de) wurde im Jahr 2007 von Fabian Spielberger als Blog gegründet und ist heute mit 50,9 Millionen Kontakten pro Monat die größte Social-Shopping-Plattform. 6,7 Millionen Konsumenten (Unique User) nutzen mydealz jeden Monat, um Angebote einzustellen, zu diskutieren und zu bewerten und so Produkte zu den besten Konditionen am Markt zu finden. Seit 2014 ist mydealz Teil der Pepper.com-Gruppe, die als weltweit größte Shopping-Community neben Deutschland auch in Brasilien, Frankreich, Großbritannien, Indien, Mexiko, den Niederlanden, Österreich, Polen, Russland und Spanien betreibt. Monatliche nutzen 25 Millionen Verbraucher die zwölf Pepper-Plattformen, um sich über aktuelle Angebote auszutauschen und 12.000 Kaufentscheidungen pro Minute zu treffen. 

 

 

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