Trotz neuer EU-Regel: Online-Shopping im Ausland lohnt sich selten

Berlin, 8. Januar 2019. Gleiche Preise für alle Bürger. Mit diesem Versprechen hat Brüssel die EU-Verordnung 2018/303 vor einem Monat in Kraft gesetzt. Aus deutscher Sicht entpuppt sich das „Geoblocking“-Verbot allerdings eher als Papiertiger. In der Theorie sollen Verbraucher bei Online-Shops aus dem EU-Ausland seit dem 3. Dezember genauso günstig einkaufen können wie heimische Konsumenten. In der Praxis profitieren deutsche Verbraucher aber kaum von der neuen EU-Regel. Der Grund ist simpel: Zwar sind sechs von zehn Produkten in Ländern wie Frankreich, Österreich oder Italien günstiger als in Deutschland. Hohe Versandkosten saugen den Preisvorteil aber meist auf. Dies ist das Ergebnis einer aktuellen Stichprobe des Verbraucherforums mydealz.de.

 

60,8 Prozent (10,94 Euro) konnten Verbraucher am 2. Januar sparen, wenn sie die Blu-ray-Disc von Antoine Fuquas Action-Thriller „The Equalizer 2“ nicht beim günstigsten deutschen, sondern für 7,05 Euro beim preiswertesten spanischen Online-Shop bestellten. Wer eine „smarte“ E27-Glühbirne der China-Marke Eufy beim preiswertesten österreichischen statt deutschen Internethändler kaufte, zahlte mit 39,54 Euro hingegen fast das Doppelte, nämlich 19,55 Euro (97,8 Prozent) mehr. Zwischen diesen beiden Extremen schwankten die Preise für 500 zufällig ausgewählte Produkte, die das Verbraucherforum mydealz.de Anfang Januar für den deutschen, britischen, italienischen, niederländischen, österreichischen, polnischen und spanischen Markt ermittelt hat.

 

Die Stichprobe kommt dabei zu einem ambivalenten Ergebnis: Tatsächlich hätten die Tester von mydealz 318 der 500 analysierten Produkte (63,6 Prozent) günstiger im Ausland als bei einem deutschen Online-Shop bestellen können. In Deutschland waren nur 94 Produkte (18,8 Prozent) preiswerter als in anderen EU-Staaten. Mit gerade einmal 8,67 Prozent fiel der Preisvorteil im Mittel allerdings eher dürftig aus. In absoluten Zahlen betrug er lediglich 9,92 Euro – eine Ersparnis, die durch die bei Auslandsbestellungen generell höheren Versandkosten schnell aufgesaugt wird.

 

Versand und Retouren verteuern viele Auslandsschnäppchen

Verbraucher, die auf Schnäppchenjagd im Ausland gehen möchten, müssen umdenken: Anders als beim Kauf in Deutschland ist die prozentuale Ersparnis gegenüber dem Vergleichspreis bei der Bestellung im Ausland nämlich oft kein verlässlicher Ratgeber. Aussagekräftiger ist die Ersparnis in harten Eurozahlen. Für den Versand nach Deutschland berechnen ausländische Internethändler nämlich Versandkosten, die höher ausfallen als hierzulande. Mit bis zu zehn Euro Zusatzkosten für den Versand sollten Verbraucher rechnen, wenn sie im Ausland bestellen. Die Kosten für Retouren kommen bei einem Umtausch hinzu, denn diese müssen – rein rechtlich gesehen – auch in Deutschland vom Kunden getragen werden.

 

Vor dem Hintergrund entpuppten sich bei der mydealz-Stichprobe viele der vermeintlichen Auslands-Schnäppchen in Wirklichkeit als zu teuer für deutsche Verbraucher: Von den 318 Produkten, die bei der von mydealz durchgeführten Stichprobe im Ausland zunächst rechnerisch günstiger waren als bei deutschen Händlern, wiesen nur 108 Produkte eine Ersparnis von mehr als zehn Euro auf. Gerade einmal jedes Fünfte der 500 analysierten Produkte (21,6 Prozent) hätten die Tester von mydealz folglich günstiger bei einem deutschen als bei einem europäischen Online-Shop bestellen können. 26 weitere Produkte wiesen eine Ersparnis im Graubereich zwischen 7,50 und zehn Euro auf. Und bei 151 Produkten betrug der Preisvorteil weniger als fünf Euro.

 

Um nicht in die Versandkostenfalle zu tappen, bleiben deutschen Verbrauchern auch einen Monat nach Inkrafttreten der EU-Verordnung 2018/303 so nur drei Optionen: Sie können entweder bei einem deutschen Händler einkaufen. Sie können so viele Produkte im Ausland bestellen, dass sich der Auslandskauf letztlich rechnet. Oder sie halten gezielt Ausschau nach Produkten, die auch für sich genommen, eine Ersparnis von mehr als zehn Euro aufweisen. Welche Warengruppen die größte „Schnäppchendichte“ aufweisen, haben die Tester von mydealz.de ermittelt.

 

Kameras, PC-Komponenten und Videospiele bieten das größte Schnäppchenpotential

Acht der 25 analysierten Warengruppen wiesen bei der Stichprobe einen durchschnittlichen Preisvorteil von mehr als zehn Euro auf. Wenig überraschend fanden sich unter ihnen vier Warengruppen aus dem Elektronikbereich, allen voran Kameras: 18 der zwanzig bei der Stichprobe berücksichtigen Foto- und Videokameras konnten die Tester von mydealz günstiger bei ausländischen als bei deutschen Online-Shops bestellen, zehn mit einem Rabatt von zehn Euro oder mehr. Die meisten Schnäppchen fanden sie bei niederländischen Online-Shops. Sie boten zwölf der zwanzig Kameras so günstig an wie kein Händler in den anderen europäischen Staaten. Im Schnitt betrug der Preisvorteil ausländischer Online-Shops bei Kameras 69,72 Euro beziehungsweise 10,13 Prozent.

 

Auf Rang zwei folgten PC-Komponenten mit deutlichem Abstand. Um durchschnittlich 39,24 Euro (8,73 Prozent) unterboten ausländische Händler ihre deutschen Pendants bei der Stichprobe. Hardware wie Grafikkarten und Speicher-Riegel und Peripheriegeräte wie Drucker oder Scanner verkauften sie in 15 von zwanzig Fällen preiswerter, in sieben Fällen mit einem Rabatt von über zehn Euro. Die meisten, nämlich fünf Komponenten, boten erneut niederländische Händler zum europäischen Bestpreis an, gefolgt von ihren Pendants aus Österreich, die vier Produkte so günstig verkauften wie kein anderer Händler aus den acht bei der Stichprobe berücksichtigten EU-Staaten.

 

Videospiele und -konsolen wiesen bei der Stichprobe die dritthöchste Ersparnis auf. 14 der zwanzig Konsolen und Spiele waren im EU-Ausland preiswerter als bei deutschen Internethändlern. In fünf Fällen betrug der Preisvorteil mehr als zehn Euro, im Durchschnitt 21,13 Euro (9,70 Prozent). Nur etwas geringer fiel der durchschnittliche Preisvorteil bei Uhren und Smartphones aus: 17,75 Euro (12,3 Prozent) hätten die Tester von mydealz beim Auslandskauf von Uhren sparen können und 16,71 Euro (2,68 Prozent), wenn sie ein Smartphone oder Tablet im Ausland bestellt hätten. Dort waren 16 der zwanzig Uhren und immerhin noch zehn der zwanzig Smartphones und Tablets günstiger als im deutschen Online-Handel, acht Uhren und sechs mobile Endgeräte um mehr als zehn Euro.

 

Nur knapp über dieser „Schmerzgrenze“ bewegten sich die drei übrigen Warengruppen bei der Stichprobe im rechnerischen Mittel: Herrenmode (11,87 Euro, 14,16 Prozent), Accessoires (10,58 Euro, 10,31 Prozent) und Autozubehör (10,12 Euro, 13,21 Prozent). Jeweils sieben Produkte aus den Bereichen Herrenmode und Accessoires waren bei ausländischen Internethändlern um mehr als zehn Euro günstiger. Von den zwanzig Autoteilen und -pflegemitteln wiesen indes nur vier ein solch großes Sparpotential auf.

 

Produkte aus 17 von 25 Warengruppen sind im EU-Ausland selten günstiger

 

Wer plant, ein Produkt aus einer anderen als den acht oben genannten Warengruppen bei einem ausländischen Onlinehändler zu kaufen, sollte genau hinsehen: Sparen können Verbraucher hierbei in den wenigsten Fällen. Zwar verkauften ausländische Händler auch Produkte wie Parfüm (17/20 Produkte), Schuhe, Taschen und Sportartikel (alle: 14/20 Produkte) sowie Haustierbedarf, Kindermode, Drogerie- und HiFi-Artikel (alle: 13/20 Produkte) oft zu niedrigeren Preisen als ihre deutschen Pendants. Nur selten bezifferte sich der Preisvorteil bei der Stichprobe aber auf mehr als zehn Euro.

 

Am eklatantesten fiel das Missverhältnis zwischen theoretischen und praktischen Schnäppchen bei Parfüms und Reinigungsmitteln aus. Reinigungsmittel wiesen bei der Stichprobe mit 14,56 Prozent den größten prozentualen Preisvorteil auf, Parfüms mit 14,29 Prozent den zweitgrößten. Dass ausländische Händler zehn von zwanzig Reinigungsmitteln und sogar 17 von zwanzig Parfüms günstiger anboten als ihre deutschen Pendants, brachte Verbrauchern in der Praxis jedoch wenig: In „harten Zahlen“ betrug die Ersparnis bei Parfüms im Mittel 5,65 Euro, bei Reinigungsmitteln sogar magere 99 Cent. Kein einziges Reinigungsmittel und nur drei von zwanzig Parfüms waren im EU-Ausland um mehr als zehn Euro günstiger als im deutschen Onlinehandel.

 

Noch geringer als bei Reinigungsmitteln fiel die durchschnittliche Ersparnis beim Test nur bei Produkten aus den Bereichen HiFi und Musik sowie Smart Home aus. Zwar fanden sich auch hier im Ausland einige Schnäppchen. 13 von zwanzig Produkten aus dem HiFi-Bereich wie Stereoanlagen, Bluetooth-Speaker oder Kopfhörer waren im Ausland günstiger. Im Mittel betrug die Ersparnis jedoch magere 47 Cent. Smart Home-Produkte waren in Deutschland sogar etwas preiswerter als in den sieben anderen EU-Staaten. Elf von zwanzig Produkte boten hiesige Händler günstiger an als ihre ausländischen Pendants. Wer Anfang Januar Bewegungsmelder, Glühbirnen, Hubs, in Deutschland kaufte, spart im EU-Vergleich so 3,38 Prozent (3,35 Euro).

 

Starke Unterschiede in Verfügbarkeit und Preisniveau

 

Wer jenseits der Grenzen auf Schnäppchenjagd geht, sieht sich auch mit einem anderen Problem konfrontiert: der Verfügbarkeit. Innerhalb der EU unterscheiden sich die Konsumgewohnheiten und mit ihnen das Angebot von Land zu Land. In keinem der sieben anderen Staaten konnten die Tester von mydealz alle 500 der für die Stichprobe zufällig ausgewählten Produkte finden. Auf die größten „Lücken im Sortiment“ stießen die Tester bei polnischen Internethändlern: Sie führten nur 301 der 500 Produkte (60,2 Prozent). Am stärksten glich das Angebot österreichischer Internethändler dem ihrer deutschen Pendants. Sie boten 466 der 500 Produkte (93,2 Prozent) an und lagen damit vor Internethändlern aus den Niederlanden (446 Produkte, 89,2 Prozent), Italien (444 Produkte, 88,8 Prozent), Spanien (425 Produkte, 85,0 Prozent), Frankreich (425 Produkte, 85,0 Prozent) und Großbritannien (418 Produkte, 83,6 Prozent).

 

Über die größte „Schnäppchendichte“ verfügt, der Stichprobe zufolge, der niederländische Internethandel. In „Holland“ war gut jedes vierte Produkt (26,7 Prozent) so günstig wie in keinem anderen EU-Staat und in jedem zehnten Fall (9,9 Prozent) lag der Preisvorteil sogar über zehn Euro. Ähnlich günstig waren lediglich polnische Händler: Sie boten 22,9 Prozent der dort verfügbaren Produkte zum EU-Bestpreis an, 7,3 Prozent mit einem Preisvorteil von mehr als zehn Euro.

 

Österreichische Händler verkauften immerhin noch jedes siebte Produkt (13,7 Prozent) zum Bestpreis und unterboten in 3,9 Prozent der Fälle die Internethändler aus Deutschland und den übrigen sechs EU-Staaten. Wer in Großbritannien (8,1 bzw. 2,6 Prozent), Italien (4,5 bzw. 2,5 Prozent), Spanien (3,3 bzw. 0,9 Prozent) und Frankreich (2,6 bzw. 1,2 Prozent) nach günstigen Angeboten sucht, wird indes eher selten fündig. Wenn dortige Händler die deutschen Preise unterbieten, liegt die Ersparnis selten einmal oberhalb der Zehn-Euro-Grenze.

 

 

Methodik-Hinweis

 

Die oben genannten Zahlen sind das Ergebnis einer Stichprobe, die das Verbraucherforum mydealz.de in der Zeit vom 2. bis zum 4. Januar 2019 durchgeführt hat. Für 500 zufällig gewählte Produkte aus 25 Warengruppen hat mydealz.de mithilfe lokaler Preisvergleichsportale jeweils den günstigsten Preis in den acht größten europäischen E-Commerce-Märkten Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Niederlande, Österreich, Polen und Spanien ermittelt. Preise in britischen Pfund wurden mit dem am 4. Januar 2019 gültigen Wechselkurs von 1:1,103 umgerechnet, Preise in polnischen Zloty mit einem Wechselkurs von 1:0,23281.

Die Pressemitteilung im pdf-Format, inkl. Statistik-Teil, finden Sie hier.

 

Über mydealz

 

mydealz wurde im Jahr 2007 von Fabian Spielberger als Blog gegründet und ist heute mit 35,5 Millionen Sessions pro Monat das größte deutsche Social-Commerce-Netzwerk. 6,7 Millionen Konsumenten nutzen mydealz monatlich, um Angebote einzustellen, zu diskutieren und zu bewerten und so Produkte zu den besten Konditionen am Markt zu finden. Seit 2014 ist mydealz Teil der Pepper.com-Gruppe, die als weltweit größte Shopping-Community 25 Millionen Verbraucher pro Monat erreicht und 12.000 Kaufentscheidungen pro Minuten beeinflusst. Zu Pepper.com zählen neben mydealz die Plattformen Buenosdeals (USA), CholloMetro (Spanien), Dealabs (Frankreich), DesiDime (Indien), HotUKDeals (Großbritannien), NL.Pepper.com (Niederlande), Pelando.com.br (Brasilien), Pelando.sg (Singapur), Pepper.co.kr (Süd-Korea), Pepper.pl (Polen), Preisjäger (Österreich) und Promodescuentos (Mexiko).

 

Pressekontakt

 

Pepper Media Holding GmbH

Michael Hensch

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