Etwas von allem, aber nicht für jeden: So attraktiv ist Amazon Fresh für Konsumenten

Berlin, 10. Mai 2017. Viel wurde im Vorfeld über Amazon Fresh gemutmaßt. Nun ist er endlich da: Seit dem 4. Mai bietet Amazon seinen Lebensmittellieferdienst – nach Seattle, London und Japan – nun auch in Teilen von Berlin und Potsdam an. Verbraucher können jetzt aus einem scheinbar riesigen Angebot wählen: Führt ein Supermarkt im Mittel sonst 12.000 verschiedene Waren, wirbt Amazon mit 85.000 Produkten. Doch wie gut ist Amazon Fresh wirklich? Dieser Frage ist das Verbraucherforum mydealz.de nachgegangen und hat in einer Stichprobe Preise und Verfügbarkeit von 470 zufällig ausgewählten Produkten unter die Lupe genommen.

 

Auf den ersten Blick beeindruckt Amazon Fresh. Der Versandriese bevorratet in seinem eigens gebauten Depot in Berlin-Tegel so ziemlich alles – von der Bio-Avocado über Berchtesgardener Bergbauernmilch bis hin zum frischen Rollmops, vom 2014er Cremant aus Limoux (Frankreich) über den Wildblumenkäse bis hin zum Zwiebelbrot. Wer sich näher mit den insgesamt elf Kategorien und 47 Unterkategorien befasst, stellt jedoch schnell fest: Wirklich neu sind nur einige von ihnen. Andere zählen seit Jahren zum Sortiment von Amazon – und vieler anderer Online-Shops. Süßigkeiten, Kosmetik und Knabberartikel beispielsweise oder Konserven, Pasta und Reis. Grund genug, sich einmal anzusehen, wie einzigartig das Angebot von Amazon denn wirklich ist.

 

Das Angebot von Amazon Fresh wirkt in vielen Bereich erstaunlich beliebig

Neu und exklusiv bei Amazon erhältlich waren beim mydealz-Test nur 143 von 470 Produkten. Die meisten von ihnen fanden sich in Bereichen wieder, denen Amazon Fresh seinen Namen verdanken dürfte: Zehn der zehn – für die Analyse herangezogenen – frischen Gebäckstücken verkaufte Amazon beim Test am 4. und 5. Mai exklusiv. Von den zehn frischen Gemüsen war einzig ein Beutel Bio-Karotten auch bei einem anderen Online-Shop erhältlich. Ähnlich einzigartig ist das Amazon-Sortiment, der mydealz-Stichprobe zufolge, aktuell bei frischem Brot (8 von 10 Produkten exklusiv), Eiern, frischem Obst und Wurstwaren (alle: 7 von 10) sowie bei frischen Fertiggerichten und Käse (6 von 10 Produkten).

 

Bei verderblichen Lebensmitteln profitiert Amazon von seiner Finanzkraft, seiner Partnerschaft mit der Post-Tochter DHL und seinem regionalen Fokus auf Potsdam und Teile Berlins, die eine geschlossene Kühlkette sicherstellen. Bei weniger sensiblen Produkten wirkt das Angebot von Amazon jedoch mitunter recht beliebig. Zwar fiel das Testergebnis nicht immer so drastisch aus wie bei Nüssen, Saucen, Knabber- und Kosmetikartikeln sowie Müsli und Cerealien: Jeweils zehn von zehn Produkten aus diesen Warengruppen konnten die Tester von mydealz auch bei anderen Online-Shops finden. Im Mittel verkaufte Amazon jedoch gerade einmal 2,46 von zehn Produkten exklusiv und erschien selbst bei „exotischeren“ Waren wie glutenfreien, veganen und Bio-Produkten recht austauschbar: Jeweils sieben von zehn Produkten aus diesen Bereichen konnten die Tester online auch andernorts bestellen.

 

Freund oder Feind? So harmonieren Amazon und seine sechs „Lieblingsläden“

Überraschend fällt auch der Blick auf die sechs „Lieblingsläden“ aus, denen Amazon innerhalb von Amazon Fresh eigene Unterkategorien gewidmet hat: Die Produkte von Basic, Kochhaus, Lindner, Nordsee, Rausch und Zeit für Brot können Verbraucher – dank Amazon Fresh – nun auch online kaufen. So scheint es zumindest. Tatsächlich trifft dies aber nur auf die Hälfte der sechs „Lieblingsläden“ zu: Während die Berliner Unternehmen Kochhaus, Lindner und Zeit für Brot bislang noch nicht den Weg ins Netz gefunden hatten, waren Produkte von Basic, Nordsee und Rausch auch schon vor dem Start von Amazon Fresh online erhältlich. Beim Test fanden sich zehn von zehn Rausch-, sechs von zehn Basic- und immerhin noch zwei von zehn Nordseeprodukten auch im Angebot anderer Online-Shops wieder.

 

Bemerkenswert ist, dass Produkte von Basic, Nordsee und Rausch online nicht nur abseits von Amazon Fresh verkauft werden, sondern dort auch meist preiswerter sind. So waren die beiden Nordsee-Produkte bei anderen Online-Shops im Mittel 32,55 Prozent (2,21 Euro) günstiger als bei Amazon. Die Münchener Biomarktkette Basic und der Berliner Chocolatier Rausch stehen mit ihren eigenen Online-Shops sogar in direkter Konkurrenz zu Amazon Fresh und unterbieten dessen Preise: Fünf von sechs Basic- und sogar neun von zehn Rauschprodukten waren im jeweiligen Online-Shop günstiger erhältlich. Die durchschnittliche Ersparnis betrug bei Rausch 11,71 Prozent (1,44 Euro) und bei Basic sogar 14,81 Prozent (0,53 Euro). Ob dies im Interesse von Amazon ist, darf bezweifelt werden.

 

Amazon setzt zum Start von Amazon Fresh bei vielen Produkten auf Kampfpreise

Dass Basic und Rausch Sonderfälle sind, zeigt ein Blick auf das sonstige Preisniveau. So beliebig das Sortiment von Amazon Fresh oft wirkt, so stark fielen beim Test die Preisunterschiede zwischen Amazon und dem übrigen Online-Handel aus: Von den 327 vergleichbaren Produkten, verkaufte Amazon zum Start seines Lebensmitteldienstes 98 zum gleichen und satte 140 zu einem günstigeren Preis. Im Mittel betrug der Preisvorteil von Amazon Fresh 4,95 Prozent (0,17 Euro), in der Spitze im Fall einer Dose Bacardi-Cola sogar satte 180,72 Prozent (4,50 Euro).

 

Ein Blick auf die Warengruppen mit den – für Verbraucher – attraktivsten Preisen macht schnell deutlich, worum es Amazon geht: um die Marktführerschaft im Lebensmittelhandel. Und diese lässt sich Amazon durchaus etwas kosten. Während der Versandriese bei den wirklich neuen und von ihm weitgehend exklusiv angebotenen Produkten wie Käse (Aufpreis: 7,08 Prozent, 0,11 Euro), Wurst (17,37 Prozent, 2,05 Euro), frischem Obst (18,48 Prozent, 0,60 Euro) und Bioartikeln (20,09 Prozent, 1,11 Euro) sogar teurer als die Konkurrenz ist, greift Amazon vor allem bei wettbewerbsintensiveren Warengruppen über den Preis an. Koch- und Backzutaten konnten Verbraucher zum Start von Amazon Fresh beispielsweise mit einem Preisvorteil von 28,83 Prozent (0,75 Euro) bestellen. Schokolade und Süßigkeiten waren 26,88 Prozent (0,38 Euro) günstiger, Bier, Wein und Spirituosen immerhin noch 26,65 Prozent (0,62 Euro). Und bei frischen Fertiggerichten betrug der Preisvorteil von Amazon sogar 41,55 Prozent (0,58 Prozent). Auf Dauer können sich weniger kapitalkräftige Internethändler in dieser Preisschlacht kaum behaupten.

 

Auffällig ist, dass Amazon nicht bei allen Produkten auf Dumpingpreise setzt. Vielmehr stießen die Tester von mydealz.de auch innerhalb einzelner Warengruppen auf teilweise große Unterschiede. Während Amazon Leuchtturmartikel wie die Dose Bacardi-Cola (2,49 statt 6,99 Euro, 180,72 Prozent Rabatt ) oder die „Maggi 5 Minuten Terrine Gulaschtopf“ (0,69 statt 0,99 Euro, 43,48 Prozent) deutlich günstiger verkaufte, waren die Preise für andere Produkte aus der gleichen Warengruppe vergleichsweise teuer: Sechs halbe Liter „Sheppy’s Craft Cider Oakwood Blend“ kosteten bei Amazon beispielsweise 20,31 Euro, beim Online-Shop Drinks of the World aber nur 19,14 Euro. Und für sieben Dosen „Erasco Königsberger Klopse“ wären bei Amazon 25,34 Euro, bei Lebensmittel.de aber nur 19,53 Euro fällig gewesen. Verbraucher sind so gut beraten, im Zweifel die Preise für jedes einzelne Produkt zu vergleichen.

 

Die Versandmodalitäten von Amazon Fresh sind guter Standard

Ob sich der Einkauf bei Amazon Fresh lohnt, hängt nicht nur von der bevorzugten Warengruppe ab. Verbraucher sollten sich auch die Frage stellen, wie oft und wie viele Lebensmittel sie online bestellen möchten, denn Amazon Fresh lohnt sich nur für „Wiederholungstäter“. Grund sind die hohen und so branchenweit einzigartigen Grundgebühren: Aktuell steht Amazon Fresh nur Inhabern einer kostenpflichtigen Prime-Mitgliedschaft (69,00 Euro Jahresgebühr) zur Verfügung, die zudem zusätzlich eine Monatsgebühr von 9,99 Euro berappen. Kein anderer Online-Lebensmittelhändler berechnet ähnliche Servicegebühren.

 

Die übrigen Versandmodalitäten von Amazon Fresh entsprechen hingegen dem Standard oder gehen sogar über ihn hinaus. Die Zustellung am gleichen Tag bietet außer Amazon beispielsweise nur die DHL-Tochter Allyouneedfresh an und dies auch aktuell nur in Nürnberg, Erlangen und Fürth. Zudem setzt Amazon die Untergrenze für den kostenfreien Versand mit 40 Euro vergleichsweise niedrig an. Einzig Bitiba (39 Euro), Allyouneedfresh und Lebensmittel.de (beide: 40 Euro) sind genauso fair. Alnatura (49 Euro), Basic (55 Euro), Edeka und Freshfoods.de (beide: 75 Euro) legen die Latte hingegen genauso höher wie Lieferello (90 Euro), Bring24.com und Mytime.com (beide: 100 Euro) während Rewe nur die erste und Bringmeister keine Bestellung kostenfrei zustellt.

 

Erreichen Kunden die Untergrenze von vierzig Euro nicht, bittet Amazon sie allerdings überdurchschnittlich stark zur Kasse: 5,99 Euro kostet die Zustellung von Lebensmitteln bei Amazon Fresh. Ähnlich hohe Versandgebühren verlangen einzig der auf Köln fokussierte Lieferdienst Bring24.com (6,99 Euro) sowie Bringmeister (6,00 Euro) und Rewe (5,90 Euro) – letztere allerdings nur, wenn Verbraucher dort ein besonders beliebtes Zeitfenster für die Lieferung auswählen. Die übrigen Online-Shops versenden Lebensmittel hingegen im Schnitt für 3,99 Euro und verlangen einzig bei verderblichen Waren einen „Frischeaufschlag“ zwischen 4,90 Euro (Allyouneedfresh, Lieferello, Mytime) und 9,90 Euro (Real).

 

Verbraucher, die den Weg in den Supermarkt scheuen, haben so letztlich die Qual der Wahl. Eine One-fits-all-Lösung bietet Amazon Fresh aktuell genauso wenig wie einer seiner bereits länger am Markt aktiven Konkurrenten. Entscheidend sind vielmehr die individuellen Konsumgewohnheiten.

Link zur pdf-Version der Pressemitteilung: http://mdz.me/amzfreshpm 

Link zu den Rohdaten: http://mdz.me/amzfresh

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