Brauche Daten, biete Pröbchen So trickreich buhlen Hipp, Procter & Gamble und Nestlé um Daten von Kindern und Eltern

Berlin, 8. August 2016.  Hersteller wissen in der Regel wenig Konkretes über ihre Kunden. Der Kontakt läuft meist über Händler und nur selten direkt über eigene Online-Shops oder Aktionsstände. Studien wären für Hersteller eine Möglichkeit, mehr über die Käufer ihrer Produkte in Erfahrung zu bringen. Einen deutlich günstigeren Weg geht mit Bebivita, Hipp, Humana, Mam, Milupa, Nestlé, Procter & Gamble und Seracell nun gleich eine Reihe an Herstellern von Produkten für Babys und Kinder: Sie bieten Verbrauchern kostenfreie Produkte an – wenn diese im Gegenzug mehr über sich und ihre Kinder verraten. Ein Deal, von dem beide Seiten profitieren? Das Verbraucherforum mydealz hat die Angebote unter die Lupe genommen.

 

Bettchen, Windeln, Schnuller, Nahrung, Spielzeug und Kleidung – wer Kinder hat, weiss, dass das noch lange nicht reicht und wie teuer Babybedarf ist. Umso dankbarer sind viele Eltern für Geschenke. Und von denen gibt es zurzeit zahlreiche. Nicht mehr nur Freunde und Verwandte, sondern auch Unternehmen zeigen sich spendabel: Ihre Programme heißen „Baby-Post“, „Dein Geschenkepaket“, „Mein Baby-Club“ oder „Pampers Club“ und bieten zahlreiche Vorteile wie Produktproben und Gutscheine. Auf den ersten Blick klingt das nett. Auf zweiten Blick fällt auf: Eltern müssen einen hohen Preis zahlen, um von solchen Angeboten zu profitieren.

 

Für kleine Geschenke müssen Eltern viel von sich und ihren Kindern preisgeben

Wer von der Großzügigkeit der Konzerne profitieren möchte, muss schon bei der Anmeldung viel über sich und sein Kind preisgeben: Der Vor- und Nachname eines Elternteils zählen bei allen acht Herstellern, die zurzeit mit Gratisprodukten um die Gunst von Eltern buhlen, genauso zu den Pflichtangaben wie die E-Mailadresse und vollständige Postanschrift. Procter & Gamble macht die Anmeldung zum „Pampers Club“ zusätzlich davon abhängig, dass ein Elternteil sein Geburtsdatum preisgibt.

 

Zusätzlich versuchen bis auf Mam und Nestlé sechs der acht Hersteller Informationen über das Kind zu erhalten – unabhängig davon, ob dieses überhaupt schon geboren wurde: Wahlweise können Eltern bei der Registrierung das errechnete oder tatsächliche Geburtsdatum angeben. Hier zeigen sich Bebivita, Hipp, Humana, Milupa, Procter & Gamble und Seracell großzügig. Gestillt ist der Datenhunger vieler Hersteller damit jedoch noch nicht: Bebivita, Hipp, Humana und Milupa mit seinem Markenportal Aptawelt.de machen ihre Mildtätigkeit zusätzlich von der Angabe des Geschlechts und Namens des Kindes abhängig.

 

Beim Milchnahrungshersteller Milupa müssen Eltern zudem gleich bei der Registrierung ankreuzen, ob ihr Kind nun Muttermlich, eine Standard-, hypoallergene HA- oder kuhmilchfreie Nahrung bekommen soll. Das Unternehmen erhält so nicht nur Informationen, wie attraktiv eine Produktsparte ist, sondern auch, unter welchen Lebensmittelunverträglichen oder Allergien ein Kind leidet.

 

Hersteller nutzen die Daten für Werbezwecke und geben sie nicht selten weiter

Weshalb die Babybedarf-Produzenten gerne viel über (angehende) Eltern und ihren Nachwuchs erfahren möchten, verschleiern die wenigsten. In den Datenschutzbestimmungen finden sich – wie zum Beispiel beim von Milupa betriebenen Portal Aptawelt.de – offenherzige Formulierungen wie die, dass die Daten für „interne Marktforschung“ und „Werbezwecke“ verwendet werden.

 

Möglichst schon vor der Geburt wollen die Produzenten so viel über die Käufer ihrer Produkte in Erfahrung bringen, um diese möglichst langfristig zu binden. Das ist kaum verwunderlich, denn solche Daten sind der Schlüssel zu einem Milliardenmarkt: Das Statistische Bundesamt bezifferte die durchschnittlichen Ausgaben für ein Kind unter sechs Jahren zuletzt auf 519 Euro pro Monat.

 

Aus Verbrauchersicht besonders bedenklich ist die freizügige Art, wie manche Hersteller mit den Daten von Un- und Neugeborenen und denen ihrer Eltern umgehen. Von den acht von mydealz analysierten Herstellern verzichten nur vier grundsätzlich auf die Weitergabe von Daten an Dritte: Bebivita, Hipp, Procter & Gamble und der Stammzell- und Gewebespezialist Seracell. Humana macht die Weitergabe immerhin von der ausdrücklichen und optionalen Zustimmung seiner Kunden abhängig.

 

Auch Milupa bittet seine Kunden, dem Unternehmen das Recht zur Datenweitergabe zu erteilen. Optional ist dies allerdings nur bei der Anmeldung zum Programm „My Milupa“. Wer sich auf dem ebenfalls vom Milupa betriebenen Portal Aptawelt .de registrieren möchte, muss hierfür verpflichtend der Weitergabe personenbezogener Daten an den Pampers-Hersteller Procter & Gamble zustimmen. Ähnlich freizügig gehen Mam und Nestlé mit personenbezogenen Daten um: Mam sichert sich in den Datenschutzbestimmungen das Recht zu, Daten an „Dienstleistungs- und Partnerunternehmen“ weiterzureichen. Und Nestlé spricht im „Kleingedruckten“ schwammig davon, Daten mit „Dienstleistern“ zu teilen.

 

Bei der Auswahl der Produkte zeigen sich viele Hersteller großzügig

All den Nachteilen stehen allerdings auch veritable Vorteile gegenüber, von denen Eltern profitieren können. Die acht Hersteller sind nicht nur hungrig auf Daten, sondern im Gegenzug auch tatsächlich spendabel. Produktproben wie Brei, Fläschchen, Schnuller, Milchpulver und Windeln versenden alle acht Hersteller kostenfrei. Und auch Gutscheine für den Kauf von Babyartikeln oder den Eintritt in Freizeitparks sind ähnlich stark verbreitet wie Checklisten, Gute-Nacht-Geschichten und Kinderlieder, die Eltern nach der Registrierung kostenfrei herunterladen können.

 

Am spendabelsten sind Hipp und Nestlé: Eltern schicken sie jeweils ein größeres Geschenkpaket. In ihm sind bei Hipp unter anderem ein Sparbuch bei der Commerzbank mit 20 Euro Startguthaben, freier Eintritt ins Legoland, ein Gutschein für ein Kinderhotel, Aufkleber und Fotoprodukte enthalten. Auf Bilder setzt auch Nestlé: Der Konzern schickt Eltern neben Produktproben und Gutscheinen auch Briefmarken mit dem Foto ihres Kindes sowie Checklisten, Tagesplaner und Einkaufslisten. Bedenklich ist bei Nestlé indes die Möglichkeit, die monatliche Entwicklung des Babys mithilfe eines Online-Tools zu überwachen.

 

Auch Händler wie Amazon, DM, Müller, Real und Rossmann sind spendabel

Neben Herstellern versuchen auch einige Händler, Eltern mit Gratisprodukten an sich zu binden: die Drogeriemärkte Budni, DM, Müller und Rossmann beispielsweise genauso wie die Supermärkte Globus und Real und die Fachhhändler Jako-o und Spiele Max. Produktproben gehören auch hier zum Standard. Je nach Händler erhalten Eltern zusätzlich Produkte wie Fotoalben, Kleidung und Ratgebertexte.

 

Auch Rabatte und Gutscheine sind bei Händlern als Geschenk verbreitet. Während die Supermarktkette Real zehn Prozent Rabatt auf einen Einkauf gewährt und Müller Eltern einmalig mit einem Gutscheinheft mit Coupons für den Einkauf in seinen Filialen ausstattet, nutzen Budni, Rossmann und Spiele Max Rabatte virtuoser: Budni schreibt Mitgliedern seines Baby-Clubs dreifache Punkte gut, Spiele Max räumt drei Prozent Rabatt auf jeden Einkauf ein und Rossmann verschickt jeden Monat neue, dem Alter des Kindes angepasste Gutscheine an Mitglieder seiner „Babywelt“. Kunden sollen so möglichst langfristig gebunden werden.

 

Ähnlich wie bei Herstellern müssen Eltern jedoch auch bei Händlern viel von sich preisgeben, um in den Genuss der zahlreichen Vorteile zu kommen: Informationen über sich selbst und ihre Kinder bis hin zum Geschlecht und (errechneten) Geburtsdatum und zur Postanschrift sind hier Pflicht und werden in vielen Fällen an Dritte weitergegeben: So teilen Jako-o, Limango, Müller, Real und Spiele Max personenbezogene Daten mit „beauftragten Dritten“ (Limango), „Versandunternehmen, Markenherstellern und Verlagen“ (Jako-o) oder aber auch – so wie Real – mit „Dienstleistern, wie z.B. Callcentern, Abrechnungsstellen, Druckereien oder Transporteuren“.

 

Geschenkt wird Eltern so auch im Internet nichts. Die Frage, wie viel Wert man seinen eigenen Daten einräumen möchte, muss aber letztlich jeder für sich selbst beantworten. Eine Entscheidung, die oft schwerfällt – zumal die Vorteile solcher Angebote für chronisch klamme Eltern durchaus attraktiv sind.

 

 

*Link zur Erhebung des Statistischen Bundesamtes:

https://www.destatis.de/DE/Publikationen/Thematisch/EinkommenKonsumLebensbedingungen/Konsumausgaben/KonsumausgabenFamilienKinder5632202089004.pdf?__blob=publicationFile

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