Nach der Airberlin-Pleite: Fliegen ist nun im Schnitt 32,5 Prozent teurer

 

Berlin, 10. November 2017. Gerade einmal zwei Wochen ist es her, dass der letzte Airbus A320 der Airberlin am 27. Oktober in Berlin-Tegel landete. Das Aus von Deutschlands einst zweitgrößter Airline macht sich aber schon nun bemerkbar: Wer heute einen Flug bucht, zahlt auf der Kurzstrecke 32,5 Prozent mehr als noch vor vier Wochen. Die Preise für Mittelstreckenflüge sind hingegen saisonbedingt leicht gesunken. Dies zeigt eine Stichprobe des Verbraucherforums mydealz.de, das die Preisentwicklung auf den zuletzt von Airberlin und ihrer Tochter Niki bedienten Verbindungen analysiert hat.

 

Auf 98 Prozent bezifferten Analysten der Bank of America Merrill Lynch den Anteil der Lufthansa am deutschen Markt. Auf drei Prozent schätzte Lufthansa-Chef Carsten Spohr den Weltmarktanteil der Lufthansa im gleichen Artikel, den das Manager Magazin am 13. Oktober veröffentlichte.* Experten wie der ehemalige Chef der Monopolkommission Daniel Zimmer und VZBV-Geschäftsbereichsleiter Ingmar Streese haben in den letzten Tagen deshalb oft vor höheren Preisen vor allem für innerdeutsche Verbindungen gewarnt.

 

Wie richtig sie damit lagen, zeigt nun eine erste Stichprobe des Verbraucherforums mydealz.de. Für jeweils 25 Verbindungen der Kurz- und Mittelstrecke haben die Tester analysiert, wie sich die Preise zwischen Flügen im Oktober und Flügen im November verändert haben. Die Analyse zeigt dabei zweierlei: Innerdeutsche Kurzstreckenflüge sind im November durchschnittlich 32,5 Prozent teurer als noch im Oktober. Die Preise für Mittelstreckenflüge zu Urlaubszielen wie Mallorca oder Gran Canaria sind nach dem Aus von Airberlin hingegen im Mittel um 19,1 Prozent gefallen. Während saisonale Effekte auf der Mittelstrecke den Preis mindern, führt die Airberlin-Pleite zum befürchteten Preisanstieg auf der Kurzstrecke. Pauschalisieren lassen sich die Aussagen jedoch nur bedingt.

 

Auf der Kurzstrecke müssen Reisende vor allem am Wochenende tief in die Tasche greifen

Wie viel ist ihnen eine Reise nach München wert – 205 Euro oder doch lieber nur 82 Euro? Wer am 6. Oktober fürs Wochenende von Hamburg nach München fliegen und am 8. Oktober von der Isar wieder zurück an die Elbe reisen wollte, hatte die Wahl zwischen Airberlin und der im konkreten Fall deutlich teureren Lufthansa. Wer die gleiche Reise für das Wochenende vom 24. bis zum 26. November plant, erlebt ein böses Erwachen: Die Lufthansa hat ihre Preise zwar leicht reduziert, von 205 auf 190 Euro. Da Alternativen fehlen, kostet der Wochenendausflug nach München aber nun stolze 131,71 Prozent (108 Euro) mehr.

Hamburg-München ist kein Einzelfall. Im Gegenteil: Auf 18 der 25 Kurzstrecken stellten sich Flüge am letzten Novemberwochenende bei der Stichprobe als teurer heraus als noch am Wochenende vom 6. bis zum 8. Oktober. Im Mittel sind die Preise um ein gutes Drittel (38,87 Prozent, 46,26 Euro) gestiegen, in der Spitze sogar um 280 Prozent: Für 50 Euro konnten Reisende noch im Oktober mit Airberlin zwischen München und Düsseldorf fliegen. Am letzten Novemberwochenende müssen sie für Hin- und Rückflug mit Lufthansa nun 190 Euro ausgeben und damit 280 Prozent mehr. Unter der Woche beträgt der Aufpreis auf der gleichen Strecke sogar das Vierfache: Wer mit Germanwings am 10. Oktober von München nach Düsseldorf und am 12. Oktober wieder zurückflog, zahlte im Bestfall nur 40 Euro. Ende November ist die Lufthansa der günstige Anbieter. Für die Strecke werden nunmehr aber 160 Euro für Hin- und Rückflug fällig.

 

Die Strecke München-Düsseldorf ist damit jedoch eine Ausnahme. Die Pleite der Airberlin kommt tatsächlich eher Reisenden teuer zu stehen, die am verkehrsreichen Wochenende unterwegs sind. Wer werktags verreist, merkt den Preisanstieg zwar auch, muss aber etwas weniger tief in die Tasche greifen. Die Preise für Flüge sind hier nicht auf 18, sondern nur auf 17 der analysierten 25 Strecken gestiegen. Und auch der durchschnittliche Aufpreis fällt mit 26,14 Prozent (28,00 Euro) unter der Woche geringer aus als am nachfragestarken Wochenende.

 

Insgesamt liegen die Preise für Flüge auf früher von Airberlin bedienten Kurzstrecken so im November um 32,5 Prozent über dem Preisniveau des Oktobers.

 

Die vermutlich größten Leidtragenden der Airberlin-Pleite sind indes Reisende aus Saarbrücken und der Region Karlsruhe/Baden-Baden. Noch vor wenigen Tagen konnten sie mit Airberlin direkt nach Berlin und zurückfliegen. Wer sich nun aus Saarbrücken oder Karlsruhe den Weg in die Hauptstadt machen möchte, muss hingegen das Auto oder den Zug nehmen. Direktflüge in die Hauptstadt sind zumindest für den Moment Geschichte.

 

Saisonale Effekte lassen die Preise auf der Mittelstrecke sinken

Auf Preisunterschiede zwischen Werktagen und dem Wochenende stießen die Tester auch bei Mittelstreckenflügen. Die Preise entwickeln sich hier aktuell in zwei verschiedene Richtungen: Wer am Wochenende fliegt, spart im November 42,43 Prozent (113,95 Euro) gegenüber dem Oktober. Wer werktags unterwegs ist, zahlt 4,28 Prozent (8,33 Euro) mehr. Dieses Phänomen ist saisonbedingt: Für Herbstferien ist es im November zu spät, für Weihnachtsferien zu früh. Angesichts der schwachen Nachfrage verkaufen die Airlines Tickets für klassische Urlaubsflüge am Wochenende so günstiger. Geschäftsreisende müssen unter der Woche hingegen etwas tiefer in die Tasche greifen.

 

Wie schon auf der Kurzstrecke verbergen sich hinter dem Durchschnitt aber auch auf der Mittelstrecke große Preisunterschiede: Gestiegen sind die Preise von 4 von 25 Wochenendflügen und 13 von 25 Flügen an Werktagen. Vor allem Reisen zu klassischen Urlaubsdestinationen wie Faro, Heraklion (Kreta), Ibiza und Mallorca sind teurer geworden. Wer im November von Düsseldorf nach Mallorca und zurückfliegen möchte, zahlt nun 161 statt 80 Euro – also 101,25 Prozent (81 Euro) mehr, auch wenn die Airline in beiden Fällen Niki ist. Wer dienstags von München nach Faro fliegen möchte, konnte im Oktober noch bei Niki für 85 Euro an Bord. Der günstigste Flug im November kostet 206 Euro und damit 142,35 Prozent (121 Euro) mehr. Durchgeführt wird er von TAP Portugal, mit Zwischenlandung in Lissabon. Direktflüge werden zumindest dienstags nicht mehr angeboten.

 

Noch stärker angezogen haben die Preise für Flüge auf den Strecken Köln-Malta und München-Ibiza. Wer am 21. November von Köln nach Malta und am 5. Dezember wieder zurückfliegt, zahlt bei Swiss mit 254 Euro satte 190 Euro (296,88 Prozent) mehr als noch im Oktober bei Ryanair. Wer in der gleichen Zeit von München nach Ibiza reist, muss bei Air Europa für Hin- und Rückflug 405 Euro ausgeben – 265,46 Prozent (294,18 Euro) mehr gegenüber dem Flug mit Niki in der Zeit vom 10. bis zum 24. Oktober.

 

Andere Strecken sind im November jedoch deutlich günstiger als noch im Oktober. Flüge zwischen Düsseldorf und Las Palmas (Gran Canaria) kosten im November werktags beispielsweise 70,95 Prozent (315 Euro) weniger. Die Verbindung Köln-Malta ist 68,16 Prozent preiswerter und auf der Strecke Düsseldorf-Kos konnten die Tester von mydealz bei der Stichprobe Hin- und Rückflug bei Aegan schon für 146 Euro buchen. Im Oktober wären im günstigsten Fall hingegen 576 Euro bei TUI Fly fällig gewesen. Während TUI Fly Kos direkt ansteuerte, müssen Reisende bei Aegan allerdings in Thessaloniki und Athen zwischenstoppen. Direktflüge werden aktuell nicht angeboten.

 

Sind Eurowings und Lufthansa die neuen Billigflieger?

Reisende haben zwei Möglichkeiten, nach günstigen Flügen zu suchen: Sie können Flugpreissuchmaschinen wie Google Flights, Kayak oder Skyscanner nutzen oder sie können manuell auf den Internetseiten der Airlines nach günstigen Preisen suchen. Egal, für welche Variante Reisende sich entscheiden – den besten Preis für innerdeutsche Flüge finden sie aktuell mit hoher Wahrscheinlichkeit bei Eurowings und Lufthansa. Die Kranichairline und ihre Billigtochter haben auf der Kurzstrecke als neue Preisführer das Erbe von Airberlin angetreten. Auch das ist ein – durchaus überraschendes – Ergebnis der von mydealz durchgeführten Analyse.

 

Um herauszufinden, welche Fluggesellschaft besonders preiswert, haben die Tester für jede Airline eine Bestpreisquote, also das Verhältnis aus angebotenen Flügen und Bestpreisen, sowie die durchschnittliche Differenz zum niedrigsten Preis errechnet.

 

Noch im Oktober punkteten Airberlin auf der Kurz- und Niki auf der Mittelstrecke mit den günstigsten Preisen. Airberlin wies auf der Kurzstrecke eine Bestpreisquote von 88,37 Prozent auf, Niki kam auf der Mittelstrecke auf eine Bestpreisquote von immerhin 58,14 Prozent. Weder Easyjet (Mittelstrecke: 46,15 Prozent) noch German-/Eurowings (Kurzstrecke: 27,27 Prozent, Mittelstrecke: 35,29 Prozent) oder die Lufthansa (Kurzstrecke: 21,05 Prozent) wiesen ähnlich gute Bestpreisquoten auf.

 

Durch das Aus von Airberlin hat sich die Marktsituation auf der Kurzstrecke gewandelt: Eurowings ist hier wenigstens vorübergehend zum neuen Preisführer avanciert: Bei der Stichprobe hätten die Tester 28 von 31 Flügen bei Eurowings am günstigsten buchen können. Die Bestpreisquote von Eurowings lag damit für den November bei stolzen 90,32 Prozent. Die durchschnittliche Differenz zum Bestpreis hat sich gegenüber dem Oktober von 106,92 Prozent (83,14 Euro) auf nur noch 4,22 Prozent (7,13 Euro) verbessert. Und auch die Lufthansa punktete bei der Stichprobe auf der Kurzstrecke in 18 von 22 Fällen mit günstigen Preisen und damit einer Bestpreisquote von 90,32 Prozent und einer durchschnittlichen Abweichung vom Bestpreis um 8,73 Prozent (7,50 Euro) statt vormals noch 130,57 Prozent (117 Euro).

 

Auf der Mittelstrecke erweist sich die frühere Airberlin-Tochter Niki auch im November noch als Preisführer. Der durchschnittliche Aufpreis zum Bestpreis ist gegenüber dem Oktober sogar von 44,84 Prozent (123,32 Euro) auf 7,54 Prozent (7,50 Euro) gesunken. Gegenüber Eurowings hat Niki jedoch leicht an Boden verloren. Wies Niki im Oktober noch eine Bestpreisquote von 58,14 Prozent auf, beträgt sie für den November nur noch 47,62 Prozent. Eurowings hat sich hingegen leicht verbessert, von 35,29 auf 36,36 Prozent.

 

Wie sich der Markt durch das stärkere Engagement von Easyjet auf der innerdeutschen Kurzstrecke und die Integration von Niki in den Lufthansa-Konzern entwickelt, bleibt abzuwarten.

 

 

Die Pressemitteilung im pdf-Format finden Sie hier: http://mdz.me/flugpreisstudie

 

Hinweise zur Studien-Methodik:

Die Flugpreise wurden am 20. und 21. September beziehungsweise 1. und 2. November mithilfe der Flugpreissuchmaschine Skyscanner für jeweils 25 Kurz- und Mittelstreckenverbindungen ermittelt, die Airberlin direkt oder ihre Tochter Nikki im Sommerflugplan bedient hat. Die Tester haben hierbei jeweils die Preise für den Hin- und Rückflug am Wochenende und am Dienstag ermittelt. Verglichen wurden für die Kurzstrecke der Zeitraum vom 6. bis zum 8. Oktober mit dem vom 24. bis zum 26. November und der Zeitraum vom 10. bis zum 12. Oktober mit dem vom 28. bis zum 30. November. Für die Mittelstrecke haben die Tester den Zeitraum vom 7. bis zum 21. Oktober mit dem vom 18. November bis zum 2. Dezember und den Zeitraum vom 10. bis zum 24. Oktober mit dem vom 21. November bis zum 5. Dezember miteinander vergleichen. Berücksichtigung fanden hierbei bestmöglich Direktflüge und der jeweils niedrigste Preis („Bestpreis“) einer Airline für den jeweiligen Zeitraum.

 

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